Das "bewegliche Klassenzimmer" in der Ita Wegman Schule
ein Bericht von H. Völkerling, Lehrerin der 2. Klasse
Alle, die seit den Herbstferien in unseren Klassenraum schauten, waren sehr überrascht, wie gemütlich es nun bei uns ist. Und tatsächlich: unsere neue Einrichtung, bestehend aus einem großen Teppich, geölten Holzbänkchen und den Sitzkissen, zaubert eine wohnliche Atmosphäre. Die Zweitklässler aber wissen selbst am besten, dass es bei uns nicht immer so gemütlich zugeht.
Denn gleich nach der Ankunft der Kinder, wird auf dem Teppich aus Bänkchen, Kissen und Holzelementen ein Parcours errichtet, der nach dem Morgenkreis zum Rutschen, Krabbeln, Kriechen und Balancieren einlädt. So werden die basalen Sinne, wie Tast-, Bewegungs-, Lebens- und Gleichgewichtssinn, geschult und alle Kinder können anschließend aufgeweckt den Unterricht mitgestalten.
Rasch sind nach dem Aufräumen die Bänke zur kleinen Kreisform gestellt. So um den Mittelpunkt der Kerze versammelt beginnen wir den Tag mit dem Morgenspruch und können uns in der Runde gut wahrnehmen. Es werden Naturstimmungen und eventuell Erlebnisse des Vortages erzählt. Zeugnissprüche werden vorgetragen bevor der rhythmische Teil beginnt.
Dank der neuen Möbel haben wir vor, hinter und auf den Bänken viele Variationsmöglichkeiten für das rhythmische Bewegen nach Liedern und
Gedichten.
Sogar der Lernteil des Unterrichtes beginnt oft im Kreis mit dem Unterrichtsgespräch, das anschließend in die Tätigkeit führt. So können einzelne Kinder etwas im Kreis demonstrieren, zum Beispiel eine neue Form mit Schnüren auf den Teppich legen, die dann erst nachgelaufen und ganzkörperlich erfahren wird, bevor sie als geronnene Bewegung in Form einer Zeichnung in unserem Heft landet. Auch das Rechnen geschieht zunächst nicht nur mit Fingern und Kastanien. Wir nehmen es
mit dem Zehnersprung wörtlich, indem wir auf unseren Kissen von der ersten Zehnerabteilung zur nächsten springen.
Zum Schreiben und Zeichnen sind die Bänke in kürzester Zeit frontal zur Tafel gerichtet und verwandeln sich nun in kleine Schreibpulte, an denen die Kinder auf ihren großen Kissen sitzen. Für den Erzählteil am Schluss des Hauptunterrichtes finden wir uns wieder im Kreis zusammen. Die Nacherzählungen der Kinder sind für jeden gut hörbar. Ein Kind ergänzt das andere. Es kann eine sehr schöne Geschichtenerzähl-Stimmung entstehen - und wieder ist zu spüren, wie der Kreis doch die Urform des sozialen Miteinanders ist.
Nicht unerwähnt sollen unsere Rollenspiele bleiben. Dank unserer leicht beweglichen Möbel können wir das Klassenzimmer schnell zur Bühne, die Bänke und Kissen zu Kulissen umbauen. Auch sind unsere Bewegungs- und Szenenspiele im Englischunterricht unkomplizierter durchzuführen. Alle Bänke zusammengestellt ergeben eine große Tafel, an der wir, wie kleine Japaner auf den Kissen sitzend, unsere Mahlzeiten einnehmen.
Diese Schilderung kann und will nicht vollständig sein. Sie soll ein kurzes Bild vom Schulalltag in unserem "beweglichen Klassenzimmer" skizzieren, in dem deutlich wird, wie sehr das bewegliche Mobiliar die rhythmische Gestaltung des Unterrichtes, das heißt die Abwechslung von Ruhe und Bewegung, von ruhigem Aufnehmen von Lernstoff und selber tätig werden unterstützt.
Denn es ist ja schon längst eine Binsenweisheit, dass besonders die jüngeren Schulkinder nicht nur in äußerlich konzentrierter Haltung lernen. Erst allmählich transformiert sich die äußere nachahmende Bewegung in eine innere seelische Bewegung und in Gedankentätigkeit. Das bewegliche Klassenzimmer begünstigt die Methodenvielfalt. Ich konnte feststellen, dass durch die spielerischen Bewegungselemente die Freude und damit die Lernmotivation der Schüler enorm gestiegen
sind. Es liegt auf der Hand, dass sich Lebensfreude sehr positiv auf die Lebens- und Lernqualität der Schüler und somit auch der Lehrer auswirkt.
Wir freuen uns über dieses gelungene Experiment und bedanken uns bei der Schulführung und den Kollegen für ihre Zustimmung zu unserer neuen "Spielwiese". Auch möchte ich mich bei den Eltern der Schüler und besonders bei den Elternvertretern für ihre Zustimmung und die tatkräftige Unterstützung bedanken. Unser herzlicher Dank gilt der FA Hammer, Heimtex-Fachmarkt Oyten, die uns den schönen, großen Teppich gespendet hat. Auch bedanken wir uns bei der Freien Waldorfschule Benefeld, die uns die Bänke und Kissen für dieses Schuljahr ausleiht.
Um auch in der dritten und vierten Klasse im "beweglichen Klassenzimmer" arbeiten zu können benötigen wir sieben neue, größere Bänke und 14 Sitzkissen. Vielleicht wollen Sie uns helfen, unser Projekt weiterhin umzusetzen.
Wir würden uns über Ihre Spende sehr Freuen (Alle Spenden sind zu 100% steuerlich absetzbar).
Empfänger: H. Völkerling Klasse 2
Konto: 1124916
BLZ: 25 1 52375
bei: Kreissparkasse Fallingbostel
Verwendungszweck: "Bewegliches Klassenzimmer"
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an unser Sekretariat:
Frau Carola Sernow 05162/48530





