Warum epochaler Unterricht?

Zu den Besonderheiten an Waldorfschulen zählt der Epochenunterricht. Während der ersten Vormittagsstunden erteilt jeder Klassenlehrer den ‚Hauptunterricht‘ in Epochen von in der Regel vier Wochen pro Fach. Dazu gehören Epochen in Physik, Chemie, Himmelskunde, Geographie, Geschichte Zeichnen und Malen und andere. In Mathematik und Deutsch als 'Langfächer' gibt es mehrere Epochen im Jahr.
Statt sich immer neu auf Einzelstunden in den täglich wechselnden Haupt- und Sachfächern einstellen zu müssen, können die Schüler sich also über mehrere Wochen auf ein bestimmtes Fach/Thema konzentrieren und verwachsen geradezu mit dem Stoff. Als Folge dieser konzentrierten Arbeit bilden sich in den Schülern aus dem Unterrichtsstoff einprägsame Bilder. Unterrichtsthemen werden so viel dauerhafter vermittelt. Das wirkt einem kurzfristigen Aufnehmen und ebenso raschem Vergessen der unterrichteten Themen entgegen. Durch eingeflochtene, abwechslungsreiche, künstlerische Übungen in den Epochen, spricht der Unterrichtsinhalt Schüler allseitig an: pragmatisch, emotional und kognitiv.

Alle durchgenommenen Themen und Inhalte des Epochenunterrichts werden in einem individuell schön gestalteten Epochenheft von jedem Schüler festgehalten. So schafft er sich sein eigenes Lehrbuch.

Ein Epochenunterricht berücksichtigt auch die besondere Bedeutung des nächtlichen Schlafes für jeden Lernenden und Lehrenden. Während des Schlafes keimen Fragen im Unterbewusstsein auf, die das Thema am Folgetag mit ganz anderem Tiefgang behandeln lassen. Idealerweise blättert also jeder Schüler am späten Nachmittag noch einmal in seinem Epochenheft!Auch die Pausen zwischen den Epochen eines Faches fördern den Lernerfolg: Das Wiederbegegnen mit den aus der Erinnerung hervorgeholten Themen und Inhalten der vorhergehenden Epochen des Faches ins klare Bewusstsein, können sich erworbenen Kenntnissen in Fähigkeiten umwandeln.